Kai-Uwe Gundlach

Simon Roberts
Kai-Uwe Gundlach  „Shibuya“ aus der Serie „EDO“

Aus der Vielzahl von Erscheinungen in der urbanen Welt von Tokyo, fokussiert Kai-Uwe Gundlach (geb. 1966) drei Aspekte und unternimmt den Versuch, in drei Kapiteln ein modernes Bild der Großstadt zu zeichnen. METRO folgt der von Walker Evans begründeten Tradition von unbemerkt erstellten Portraits mitreisender U-Bahnpassagiere, PYLONS untersucht die skulpturale Qualität von Strommasten in der urbanen Landschaft und SHIBUYA erzählt von einem Ort, der berühmtesten Strassenkreuzung der Stadt und der täglich millionenfachen anonymen Begegnung einsamer Menschen in der Masse. „Dabei,“, so schreibt Georg Diez im Magazin der Süddeutschen Zeitung am 28. Mai 2010 über die Arbeit, „erzählt Gundlach nicht die klassische kulturpessimistische Geschichte vom Elend des Einzelnen in der Moderne. Er zeigt ganz einfach, wie Einsamkeit sich heute anfühlt. (...) Man kann diese Bilder als meditativ empfinden oder als bedrohlich leer, als ästhetische Antwort auf ein existenzielles Vakuum oder als Dokumente des schwindenden Selbstbewusstseins des Westens zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Darin beweisen sie ihre analytische, fast seherische Dimension. Diese Fotos erzählen nicht nur von Shibuya. Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir uns selbst in ihnen. Sie sind Spiegel in unsere Zukunft.“

From the numerous phenomena of urban life in Tokyo today, Kai-Uwe Gundlach focusses on three aspects, thus drawing an image of life in a modern metropolis in three chapters. METRO follows the tradition of Walker Evans' unnoticed snap shot portraits of fellow subway passengers. PYLONS investigates the sculptural quality of electrical poles in the urban landscape and SHIBUYA tells of a place, the city's most famous street intersection, where millions meet every day anonymously, lonely within the masses. "In doing so", writes Georg Diez in his piece on the series, published in Süddeutsch Zeitung Magazin on May 28 2010, "Gundlach is not telling the often heard, pessimistic story of the fading of our culture and the loneliness of the individual in modern times. He simply documents how loneliness feels today. (...) One could regard these images as ruminant or as threateningly empty or as a document of the evanecent self-esteem of the West at the dawn the of the 21. century. These images are thus proving their analytical, almost visionary quality. These photos not only tell of Shibuya. Looking closely, we will recognize ourselves. They are mirrors into our future."

Simon Roberts
Kai-Uwe Gundlach  „Pylons“ aus der Serie „EDO“

Die Ausstellung begleitet die Veröffentlichung der Monographie „EDO – Three Chapters of Tokyo“
im Verlag White Press, Köln.

The exhibition accompanies the publication of the monograph "EDO - Three Chapters of Tokyo"
by White Press publishers, Cologne.

Simon Roberts
Kai-Uwe Gundlach  „Metro“ aus der Serie „EDO“